Ein 4-tägiges Abenteuer durch den Nationalpark Hohe Tauern, eine Biwaktour von Mallnitz über zwei 3000er nach Rauris

Eine Viertagesbiwaktour in einer Hitzewelle mit 37°C im ohnehin schon sehr heißen Sommer 2018 durch den Nationalpark Hohe Tauern. Entlang alter Pfade und mit Gipfeln bis auf über 3100m über den Alpenhauptkamm in den Pongau und hinunter nach Rauris. Eine Kurztransalp von Süden in den Norden, die sich perfekt für die Anreise mit Öffis eignet!

Wohin nur, wenn ein verlängertes Wochenende bevorsteht und eine Hitzewelle vorhergesagt wird? Na klar, hinauf auf die kühlen Berge!

In Mallnitz angekommen ging’s gleich nach 300m nach Westen auf einen Wanderweg steil bergauf zur Jausenstation Watzingeralm mit schöner Aussicht ins gegenüberliegende Seitental mit dem Säuleck im Talschluss, der mit seinen 3086m einige Jahre zuvor mein erster 3000er war.

Nach einer gemütlichen Pause mit ein paar Mallnitzern machte ich mich auf den weiteren und teilweise sehr steilen Weg zum Lonzaköpfi auf 2317m. Von dort sieht man das letzte Mal ins Mallnitzertal hinunter mit einer sehr schönen Aussicht.

Weiter ging der Weg manchmal etwas ausgesetzt und auf schmalen Pfaden entlang des schroffen Grats eine gute Stunde bergauf und bergab zum Böseckbiwak hinüber. Die Gegend war bei Sonnenuntergang sehr fotogen und so machte ich viele schöne Bilder, von denen aber hier keines zu sehen ist, den Grund erfährt ihr später. Bei Sonnenuntergang war das Böseckbiwak auf 2594m erreicht. Dies ist ein kleiner Holzbau mit 6 Schlafplätzen aus den 1930er Jahren und liegt am höchstmöglichen Platz, bevor es sehr steil und ausgesetzt zum Böseck (2834m) hinauf geht.

Rechts das Böseck mit dem Oschenikstausee, links vom Berg ist die Oschenikscharte, über die ich kam.

Auf der Hütte übernachtete auch noch ein Wanderer aus Deutschland, der auch mehrere Tage in den Tauern unterwegs war. Er war schon öfters hier über Nacht und wusste, dass auf der Hütte früher auch einmal ein Holzofen war. Dieser wurde wieder entfernt, nachdem ein paar Spezialisten begonnen die Einrichtung zu verheizen… denn Holz ist dort weit und breit keines aufzutreiben.

Am nächsten Tag ging’s bei einem wunderschönem Sonnenaufgang wieder los, wir hatten vorerst das gleiche Ziel, weiter dem etwas schwierigem und anscheinend nicht mehr gewartetem Weg folgend zur Oschenikscharte.

Genau bei der Scharte bot sich eine Szene wie aus dem Bilderbuch: Keine 10m vor mir in der Sonne standen am Grat zwei junge Steinböcke und sahen mich an. Das wäre ein perfektes Bild geworden, aber wir standen uns nur für ein paar Sekunden still gegenüber. Danach flüchten sie in die Felswand, die so steil war, das ich nicht einmal auf die Idee kommen würde dorthin zu klettern.

Aber Achtung: Der Weg ist auf den aktuellen Karten nicht mehr eingezeichnet und das ist bei dem damaligen Wegzustand durchaus verständlich. Es sind einige ungesicherte und sehr steile Schuttrinnen im Absturzgelände zu queren. Zum ungefährlichen Nachmachen gibt’s ganz am Ende des Artikels noch eine leichte Alternative!

Nach der Oschenikscharte wechselt der Weg auf die Südseite und es ging hinunter zum Oscheniksee, einem kleinem Stausee auf 2400m.
In dem felsigem Gelände war der Weg sehr schlecht markiert, womöglich durch Felsstürze waren die nächsten Markierungen manchmal 30m entfernt, und irgendwann gar nicht mehr zu finden. Der Weg ging über teilweise autogroße Steinblöcke zum See hinunter. Unten angekommen bemerkte ich beim Umziehen, dass die Spiegelreflex nicht mehr am Rucksack hing. Nach einer halben Stunde herum suchen im Gelände machte ein weiteres Suchen keinen Sinn mehr. Dort sah alles gleich aus und die vorher genommene Route durch die Steinblöcke war sowieso nicht mehr zu finden. Um die alte 200€ Kamera selbst war mir gar nicht so schade, allerdings war mein Lieblingszoom, das Pentax 20-40mm Limited darauf montiert und die Bilder vom Vortag hätte ich auch gerne noch gehabt.

Irgendwo da oben liegt jetzt meine Spiegelreflex, die Steinblöcke sehen nur so klein aus, manche sind größer als Autos
Der 2864m hohe Feldseekopf, mein nächstes Zwischenziel, aber vorerst geht’s bergab
Die Astromscharte mit Feldseekopf, endlich ein guter Weg ohne lockeren Steinen. Trotzdem sollte man auch nach vielen Stunden noch absolut trittsicher sein.

Zumindest hatte ich ab jetzt 1.5kg weniger zum Schleppen. Der weitere Weg war ziemlich beschwerlich, kaum markiert, quer über Schuttrinnen, teilweise ausgesetzt, steil und über Steine, die ins rutschen kamen, sobald man darauf trat. Dementsprechend war auch auf dem 6h langen Weg bis zur Einmündung in den bekannten Tauernhöhenweg sonst niemand unterwegs. Kurz vor der Einmündung ging’s noch über den 2864m hohen Feldseekopf ohne Gipfelkreuz und hinunter zur kleinen Rudolf-Weißgerber Blechbiwakschachtel. Die Wegzeit zurück zum Böseckbiwak war mit guten 5h angegeben… vielleicht war das von früher eine Zeit mit noch besserem Weg? Ich ging relativ flott, aber schaffte auch ohne dem Umweg zum Kamerasuchen den Weg nicht unter 6h ohne Pausen. Auch dieser Weg ist auf den aktuellen Karten bereits nicht mehr eingezeichnet!

Der Blick Richtung Hagener Hütte, ganz links am Pass
Ein Blick zurück, hinten rechts das Böseck, etwas links vor dem kleinen Spitz befindet sich das Biwak, in dem ich übernachtete. Ins Tal sieht man zu meinem Startpunkt nach Mallnitz hinunter.
Die vordere Geißlspitze links in den Wolken, knapp kein 3000er, (bestiegen 2019 Bildbericht folgt!)
Nach 6 Stunden ohne Pause kommt mein Tagesziel in Sicht, es liegt etwas rechts des hintersten Stausees…
Am Tauernhöhenweg

Von nun an ging’s im Vergleich zu dem vorherigen Weg wie auf einer Autobahn weiter, ein guter Weg und wenige Höhenmeter, eben ein richtiger Höhenweg. Dieser Wegabschnitt ist auch Teil des bekannten Tauernhöhenwegs. Somit war das nächste Etappenziel bei der Duisburgerhütte schnell erreicht. Dort genehmigte ich mir ein gutes Essen und durfte in der Nähe der Hütte bleiben. Die Nacht war sternenklar und außer ein paar Felsstürzen vom Schareck herunter war es die ganze Nacht sehr ruhig und ich schlief praktisch durch.

Weiter ging’s auf den Weg hinauf zur Fraganterscharte, am Talende unterhalb vom Schareck traf ich ein paar Motorradfahrer, die dort herumfuhren… Hauptsache ich kam an mehreren Schildern mit Mountainbike Fahrverbot vorbei… vom Motorradfahren stand ja auch nichts 😉

Oben auf der Fraganter Scharte war die Aussicht am Morgen auf fast 2800m ein Wahnsinn, vor mir stand der Sonnblick mit der Wetterwarte und weitere 3000er mit Gletschern bis zum Glockner reihten sich an­ei­n­an­der auf. Der Hohe Sonnblick wäre noch rund 4h zu Fuß von dort entfernt gewesen, irgendwie wäre ich schon noch gerne hinauf gegangen. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich nur ein Jahr später auf dem Weg nach Triest wieder auf der Fraganter Scharte stehen würde… nach der Besteigung des Sonnblicks 🙂

Da geht’s jetzt hinauf, das Schareck ruft!
Der Blick von der Herzog Ernst Spitze hinüber zum Hocharn (3254m). Das Gipfelkreuz der Herzog Ernst Spitze hat es vor ein paar Jahren weggerissen, wohl manchmal etwas windig da heroben 😉

Oben auf der Herzog Ernst Spitze auf 2933m angekommen war die Aussicht mit dem wunderschönem Gletscherpanorama im Morgenlicht eigentlich schon etwas kitschig. Der Weg ging noch eine halbe Stunde weiter am Grat mit einiger Gratkraxelei hinauf zum Schareck auf 3123m, der mit meinem 10kg Rucksack gar nicht so leicht zum Gehen war.

Das Schareck ist erreicht, mit 3123m mein höchster Punkt der Tour!
Ein schöner Singletrail…
Super gesichert geht’s am Grat zur Baumbachspitze hinüber. Ein großes Lob an die Wegwarte!

Am Gipfel angekommen ging ich auch gleich die 15min den Grat hinüber zur 3105m hohen Baumbachspitze. Noch nicht einmal 9 Uhr, und schon zwei 3000er vorm Frühstück 🙂 Es war gefühlt eisig kalt, noch immer etwa +3° und starker Wind. Schwer zu glauben, dass an diesem Tag im Tal mit bis zu 37°C einer der heißesten Tage des Jahres war.

Der Berg ist sehr schön, was aber ziemlich stört ist der Skilift auf der Südseite, der fast bis zum Gipfel hinaufgeht und sogar in Betrieb war.

Am Grat geht man wie auf einem Radweg, schade, keins dabei 😉 – Links hinten der Großglockner, davor der Sonnblick mit der Wetterwarte.
Abschnittsweise wird’s auch etwas luftig 😉 Eine 10m hohe Genusskraxelei!
Der Gletscher des Sonnblicks, zum Glück bin ich schon im Abstieg, 20min später zog es komplett zu.

Retour ging ich wieder hinunter zur Herzog Erst Spitze, danach aber nicht wieder nach Süden, sondern den Grat bergab weiter nach Norden, der den Talschluss von Sportgastein bildet. Am Grat liegen noch 2 Zwischengipfel, der Neunerkogel mit 2827m und die Riffelhöhe mit 2694m. Also schon fünf Gipfel, (+2 doppelt) und es war noch nicht einmal Mittag!

Der Blick zu meinem Tourziel, dem Raurisertal. Ich ging ziemlich genau so weit, bis der Talboden hinter dem Knick verschwindet. Vorerst geht’s zum Niedersachsenhaus, das sieht man schon rechts am Grat stehen.

Genau am Pass zwischen dem Gasteinertal und dem Raurisertal, der Riffelscharte steht das Niedersachsenhaus, bei dem ich gleich einkehrte und es mir gut gehen ließ mit sehr gutem Essen und Kaiserschmarrn als Nachtisch.

Nach ein paar unterhaltsamen Geschichten von einem Bergretter und vom Hüttenwirt ging’s nach einer Pause von guten 2h wieder weiter. Es war gerade erst einmal kurz nach Mittag und ich hatte somit überhaupt keinen Stress, denn ich plante noch eine weitere Übernachtung im Raurisertal.

Hohe Gipfel muss man immer gleich in der Früh besteigen, schon beim Hinuntergehen verschwand das Schareck bereits in den Wolken, 1h später am Gipfel und die Aussicht wäre gleich Null gewesen. Die Wolken zogen um den Gipfel herum und es sah etwas nach Schlechtwetter aus, es kam aber doch nichts.

Die schnellste Abstiegsmöglichkeit mit etwa 4h wäre vorbei am Bockhartsee über den Otto Reichert Weg zur Bergstation der Stubnerkogelbahn und mit der Seilbahn hinunter nach Bad Gastein. Ich wollte aber auch einmal das Raurisertal mit dem Rauriser Urwald erwandern.

Nach einem schnellen Abstieg war ich gleich an der Waldgrenze und fand noch ein nettes Plätzchen um noch meinen Schlafsack in der Sonne aufzutrocknen und etwas zu sonnen. Das hochalpine Gelände der letzten Tage war durchquert, vor mir lagen nur mehr gemütliche 20km entlang des Raurisertals hinaus bis Rauris.

Der Talschluss des Raurisertals

Beim Hinauswandern aus dem Tal fand ich noch eine nette Alm, in dessen Nähe ich übernachten durfte. Geweckt wurde ich nach einer gemütlichen Nacht erst durch die Ameisen die irgendwann lästig wurden… einer der natürlichen Wecker draußen 🙂

An dem Tag gab es aus dem Raurisertal 2 Busverbindungen eine um 16 Uhr und eine um 17 Uhr… ansonsten müsste man 15km weiter bis ins Salzachtal zum Bahnhof in Lend gehen. Jetzt hatte ich keine 15km mehr zu gehen und den ganzen Tag Zeit. Das klang nach einem gemütlichem Abschluss der Tour, die erste Alm erreichte ich schon am frühen Vormittag. Daher hatte diese noch geschlossen, am GPS war eine Stunde später noch eine weitere Alm eingezeichnet.

Der Rauriser Urwald
Ein paar Eindrücke aus dem Raurisertal…

An der Alm angekommen waren davor nur ein paar Kühe und es sah nicht so aus, als ob geöffnet gewesen wäre. Allerdings kamen dann doch zwei ältere Wirtsleute heraus. Eigentlich gab’s nur Speckbrot und Bier, was mir aber eh reichte, der Bus ging erst in 3h unten im Tal weg. Als ich den beiden sagte: Bei euch is do heroben aber scho bissl wenig los? bekam ich als Antwort “Jo zum Glück!” Die beiden bewirtschafteten die Alm eher zum Spaß nebenbei für die Einheimischen dort, ansonsten findet die Alm anscheinend kaum jemand. Dort geht auch kein Wanderweg zu einem bekannten Gipfel vorbei.

Nachdem etwas später auch noch 2 Einheimische bei der Alm auftauchten, wurde es gemütlicher und die langen 3 Stunden wurden zum Ende doch noch ziemlich knapp. Nach einer guten Stunde Gehzeit war dank empfohlener Abkürzung die Busstation erreicht, die perfekt genau am ersten wieder flachen Meter lag.

Das war wieder einmal eine ideale Tour für die Anreise mit Öffis, gesamt waren es vielleicht etwas über 1km Asphalt in den 4 Tagen! Ohne Zug und Bus ist die Tour absolut nicht zu empfehlen, zwischen Start und Ziel sind es mit dem Auto gute 180km…

Tipp: Wegen der schlechten Busverbindung aus dem Raurisertal könnte man die Tour auch umdrehen und gleich im Raurisertal starten. Als reine Hüttentour kann diese Tour natürlich auch gegangen werden. Als Übernachtungsmöglichkeit liegt das Niedersachsenhaus und die Duisburgerhütte direkt am Weg.

Als ungefährliche und gut markierte Alternativroute zu meiner Abenteuertour kann man beim Rudolf Weißgerber Biwak einfach direkt zur Jamnigalm und weiter nach Mallnitz absteigen, oder man bleibt noch am Höhenweg und folgt dem Hagenerweg zur sehr empfehlswerten Hagener Hütte. Danach gib’s einen sehr einfachen Abstieg auf einer Forststraße hinunter zur Jamnigalm und weiter nach Mallnitz oder man folgt dem Tauernhöhenweg noch weiter nach Osten bis zum Hannoverhaus und fährt von dort mit der Seilbahn hinunter, oder oder oder…

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