Die Kosten eines Fahrrads – Zwischenfazit und Kosten bei einer Laufleistung von über 50.000 Kilometern

Ich finde es sehr interessant, einmal eine ungefähre Kostenaufstellung und Kilometerleistung eines völlig alltagstauglichen Fahrrads zu sehen.

Mein erstes selbst zusammengebautes Rad hat mich schon oft von A nach B gebracht, aber wie hoch sind eigentlich die Kosten dafür?

Diese Frage möchte ich mit diesem Beitrag beantworten, weil sie mich auch selber sehr interessiert hat. Bei meinem Beispiel handelt es sich um ein Rad mit sehr kostengünstigen Teilen, die allerdings trotzdem möglichst langlebig ausgelegt sind und alles ist auf Pannensicherheit ausgelegt. Auf dieses eine Rad entfällt ein fünftel meiner gesamten Lebenskilometer, nach mindestens 13 Fahrrädern im Laufe der Zeit.

Bei einer Ausfahrt nach Wien

Nach mehreren gefahrenen Rädern, die meistens eine Mischung aus Mountainbikes und Citybikes waren, wusste ich irgendwann genau, wie mein nächstes Rad aussehen sollte. Mir schwebte ein MTB vor, ohne Federgabel, mit relativ viel Überhöhung, also der Sattel sollte für eine tiefe und aerodynamische Position etwa 10cm höher als der gerade Lenker sein. Also eigentlich relativ ähnlich zu den heutigen Speedbikes, die damals aber noch nicht so bekannt waren. Allerdings wollte ich breite Reifen vom Mountainbike montieren. Ein Rad für jedes Gelände, außer den richtigen Downhills. Auf der Straße schnell durch die Aeroposition und verschmältertem Lenker, auf Wald- und Feldwegen und leichten Downhills trotzdem schnell wegen der breiteren Reifen mit wenig Luft und viel Volumen, ohne Federgabel wartungsarm und auch zumindest für den Preis halbwegs leicht bergauf. Das ideale Rad für alle Strecken, die nicht rennradtauglich sind war gefunden! Mit diesem Rad habe ich schon unzählige Rennradfahrer alt aussehen lassen 😉 Es rollt mit Slicks viel besser, als man vermuten würde!

Das Fahrrad ist einfach ein super Verkehrsmittel, aber wie günstig ist es wirklich? Was kostet der Betrieb eines Fahrrads auf 100km? Also her mit den Fakten!

Mein Rennrad hatte ich damals umgebaut und ‘erleichtert’, die gebrauchten Teile wollte ich gleich weiterverwenden (Kurbel und Sattel). Als Rahmenset diente ein günstiger Alurahmen mit Wunschlackierung in schlichtem Grün, dazu passend lackiert eine Stahlgabel, die leider schwerer als der Rahmen selbst ist. Die Kosten für alle Neuteile waren damals bei knappen 500€. Seither habe ich immer wieder Teile getauscht und verbessert. Mittlerweile ist vom MTB nicht mehr viel zu sehen. Seit ein paar Jahren ist es voll alltagstauglich mit Kotflügel, Gepäcksträgern und zum Stadtfahren natürlich voll StVO konform 🙂

Es wurde sehr viel auf Kurzstrecken gefahren, im Winter auf Schnee- und Salzfahrbahn, oft im Regen, es ist auch mein Schlechtwetterrad. Der Verschleiß war also wesentlich höher als bei einem Schönwetterrad.
So wurde unter anderem der komplette Antrieb mehrfach getauscht, nachfolgend eine Liste aller verschlissenen Teile:

  • Kettentausch etwa alle 4000km, macht etwa 13 neuwertige Ketten. Manchmal bekam es aber auch die noch nicht ganz verschlissenen vom Rennrad um die Rennradkasette zu schonen.
  • Etwa alle 12.000km war das Ritzelpaket zum Wechseln, also ist jetzt gerade das fünfte am werkeln.
  • Eine komplette Kurbel, weil die Zähne der Kettenblätter komplett verschlissen waren. Die sind so teuer, dass es sich gleich gelohnt hat die ganze Kurbel zu tauschen. Außerdem habe ich jetzt die passende Kurbellänge.
  • Das Tretlager ist durch das Fahren im Winter praktisch jedes Jahr zum Tauschen, also bisher ca. 8 verschlissene Innenlager.
  • Mittlerweile ist jetzt das 3. Schaltwerk montiert, allerdings immer die günstigen, die womöglich etwas schneller kaputt gehen. Die Schaltröllchen zu tauschen hilft anfangs und hält das Schaltwerk länger am Leben
  • 1x Hinterradfelge, die 1. war trotz massiver Stahlfelgen nach ca. 40.000km durchgebremst, der Felgensatz hat deutlich über 2kg bei 26″ und 32 Speichen.
  • Kiloweise Reifen, meisten die alten vom MTB, die schon zu wenig Profil zum richtigen Biken hatten… seit 3 Jahren ist es mit pannensicheren Slicks ausgerüstet, die echt fast unkaputtbar sind und eine Laufleistung jenseits der 8000km schaffen.
  • Einige Schläuche, allerdings praktisch pannenfrei seit den extra pannensicheren Reifen.
  • viele viele Bremsbeläge
  • Schon der 2. Sattel, ja die können irgendwann in der Mitte durchbrechen! Das passierte mir aber auch schon am anderen MTB und am Rennrad! Bei Specialized ist der Name wohl Programm, denn die sind die Spezialisten darin 😉
  • Die Bowden und Innenzüge sind alle paar Jahre zum Wechseln
  • Das Nabenlager vorne ist spannenderweise noch immer original!
  • Pedale wurden einmal getauscht von Flatpedalen auf eine Klick/ Flachpedalkombination
  • 2 Sätze an Kotflügeln, die gehen manchmal kaputt, weil die Befestigungsschrauben ausreißen

Macht in Summe:

Anschaffungskosten 500€
damals vorhandene Rennradteile ~100€
Verschleißteile komplett ~1500€
Umbauten ~200€

Macht ca. 2300€ gesamt für den Betrieb von knapp über 10 Jahren und über 50.000km, also 230€ pro Jahr!

Bzw. in Kilometern gerechnet €4,60.- auf 100km, allerdings wird das noch weniger, weil es ja immer noch fährt. Rechnet man nur die Verschleißteile (ohne Wertverlust des restlichen Rads) kommt man auf €3.- pro 100km.

Was noch zu wichtig zu erwähnen ist: Hier handelt es sich um die reinen Materialkosten, weil ich bei meinen Rädern auch mein Mechaniker bin. Ansonsten kommt das Ganze natürlich um einiges teurer!

Und das zusätzliche Essen, das man durch das viele Fahren braucht, habe ich natürlich auch nicht mit eingerechnet. Grob überschlagen verbrachte ich bei 50.000km auf dem Stadtrad bei etwa 27km/h Schnitt ca. 1850 Stunden am Rad, das sind 77 ganze Tage zu je 24h. Bei etwa 560kcal pro Stunde (ca. 150W im Schnitt) Verbrauch sind das über 1 Million kcal. Das entspricht dem Gegenwert von 260 kg ungekochter Spaghetti oder 9040 durchschnittliche Bananen zu je 115kcal… Guten Appetit 🙂

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