Eine Sechstagestour im Spätherbst mitten durch die Steiermark über bereits verlassene Almgebiete, schneebedeckte 2000er, kitschige Sonnenuntergänge genießen und durch farbenfrohe Herbstwälder auf einsamen Wegen wandern!

Perfektes Fotowetter war mein ständiger Begleiter!

Dies war eine Tour Ende Oktober um den Nationalfeiertag bei stabilem Wetter und an den letzten Tagen, an denen der Weg noch ohne Steigeisen und noch mit wenigen geöffneten Hütten machbar war. Ich erwischte am ganzen Weg immerhin noch 2 geöffnete Hütten, die auch zeitlich gerade zum Einkehren passten.

Nachdem heuer die Feiertage um den österreichischen Nationalfeiertag und Allerheiligen sehr günstig fielen, entschied ich mich wenige Tage davor für einen Wanderurlaub. Wie immer bleiben für eine kurzfristige Planung fast nur Weitwanderwege übrig, denn diese sind bereits fertig geplant, GPS Tracks verfügbar und meist sind die Wege schön gelegt. Sozusagen einfach ab auf den Trail und los geht’s!

Noch 10500Hm und 204km… etwas demotivierend das beim Start angezeigt zu bekommen 😉

Ursprünglich war dies beim Start eine geplante 220km Tour von Leoben nach Melk an der Donau am Nord-Süd Weitwanderweg durch Österrreich, doch es kam dann doch einiges ganz anders…

Aussicht von meinem höchsten Punkt der Tour am Hochschwab

Der Nord-Süd Weitwanderweg (NSWW 05) gefiel mir für den Herbst sehr gut, geht dieser doch weiter östlich durch Österreich, die höchsten Berge sind nur mehr etwas über 2000m und nicht so wie bei uns im Salzburger Land deutlich höher. Das 220km lange Teilstück von Leoben in der Steiermark bis nach Melk an der Donau sah machbar aus, hatte ich doch 10 Tage Zeit und beide Orte sind von Salzburg aus gut per Öffis erreichbar.
Nur wollte ich umgekehrt vom Süden nach Norden gehen, um die hohen Berge gleich am Anfang bei Schönwetter hinter mich zu bringen und auch um die letzten flacheren Etappen eventuell abkürzen zu können. Die ersten 120km von Süden aus lassen sich nämlich nur sehr schlecht abkürzen, die Anbindung an den wenigen Möglichkeiten dazwischen per Öffis ist zwar gegeben aber dauert ewig, teilweise über 7 Stunden bis Salzburg. Also nur etwas für den Notfall aber nicht’s für den geplanten Abbruch.

Gleich nach Leoben sieht der Wanderweg für etwa 1km so aus… kann nur besser werden 😉

Die erste Etappe von Leoben Richtung Reichenstein (2165m) könnte man bei weniger Zeit auch abkürzen, es geht viel über Forststraßen und auch über Asphalt, dennoch bieten sich gerade im Herbst auch immer wieder schöne Ausblicke!

Wenn Forststraßen so aussehen kann man es aushalten diese entlang zu wandern!
Ausblick vom Reichenstein mit ungefährem Wegverlauf, ganz hinten beim Kreis liegt mein Startpunkt Leoben, wo ich am Vortag loswanderte.

Das erste Highlight wartete bereits am zweiten Tag auf mich, der Gipfel des Reichensteins! Ich ging den Gipfel nicht als Überschreitung, sondern als Stichtour vom Rottörl über die schattige und etwas vereiste Hangquerung um auf den Hauptweg zu gelangen.

Am Gipfel war es sehr ungemütlich bei geschätzt 60km/h eisigem Wind und ich war nach 2min wieder auf dem Weg nach unten. Zum Glück war der Weg schon recht oft begangen worden und trotz vereistem Weg waren die Tritte meist gerade ausgetreten und somit ohne Rutschgefahr zu begehen.

Am Reichenstein auf 2165m war der Winter bereits zu Besuch!
Der ungefähre weitere Wegverlauf des 05’ers der kommenden zwei Tage vom Reichenstein aus gesehen, hinten rechts der Hochschwab, wo ich am übernächsten Tag in der Blechdose biwakierte.
Ein kleines Windrädchen wurde dezent in die Landschaft eingefügt 😉
Blick zurück zum Reichenstein, bei Sonnenaufgang bin ich bereits wieder unterwegs

Am nächsten Tag machte ich noch einen Abstecher zur Frauenmauerhöhle, diese muss ich einmal mit einer Führung besuchen, so spät im Jahr finden leider keine Führungen mehr statt. Dies ist eine natürliche Durchgangshöhle mit mehreren hundert Metern Länge und schon der Eingangsbereich sieht vielversprechend aus.

Auf dem Höhenweg zur Höhle und auch auf dem Almengebiet danach sah ich in den paar Stunden bis zur Sonnschienhütte niemanden. Nachdem ich den Nord-Süd Weitwanderweg ja in umgekehrter Richtung ging, rechnete ich eigentlich damit, dass mir auch einige Weitwanderer entgegenkommen müssten, dies war allerdings bis zum Ende der Tour nie der Fall! Viele mit etwas größeren Rucksäcken übernachteten nur auf der nächstgelegenen Hütte. Auf den Wegen, die als Verbindungswege zwischen den noch geöffneten Hütten dienten sah ich in der ganzen Woche praktisch nie jemanden, Weitwandern ist in Österreich ja scheinbar sehr wenig verbreitet. Wobei so spät im Jahr natürlich noch weniger unterwegs sind, weil die Hütten jetzt langsam alle schließen.

Blick zurück noch vor der Sonnschienhütte, beim Kreis befindet sich in etwa die Frauenmauerhöhle

Bei dieser Tour hatte ich für 2.25l Wasserflaschen mit dabei, in diesem schönen Herbst waren die meisten Quellen bereits ausgetrocknet und so war ich sehr froh nach einigen Stunden mit bereits leeren Flaschen bei der übrigens zum Einkehren sehr empfehlenswerten Sonnschienhütte das erste Mal auf meiner Tour einzukehren. Es war bereits später Nachmittag und ich durfte mir nicht zu lange Zeit lassen. Die kommende Nacht wollte ich in der Biwakschachtel am Hochschwab verbringen und diese noch im Hellen erreichen. Das Tageslicht ist immer ein kleines Problem bei den Touren im Spätherbst, vor 18:00 war es bereits dunkel, also war ich teilweise schon an den flacheren Stellen am Laufen, dafür war ich deutlich vor Sonnenuntergang in gut der Hälfte der ausgeschilderten Zeit angekommen.


Die Nacht war sehr kalt und am Abend sowie am Morgen blies der Wind wieder eisig und kräftig, ich kann mich selten erinnern, einen so starken Wind für längere Zeit am Berg gehabt zu haben. Beim Hinuntergehen konnte man sich manchmal richtig gegen den Wind lehnen und viel besser Abstützen, als dies mit Stöcken überhaupt möglich wäre, nur leider blies er meistens seitlich.


Nachdem ich zwei Tage zuvor schon einen Tipp von zwei jungen Wiener Bergsteigerinnen am Reichenstein bekam, dass es am Schiestlhaus ein super Frühstücksbuffet gibt, freute ich mich bereits am Vorabend in der Biwakblechdose darauf und wurde nicht enttäuscht! Zwar hatte ich für die 6 Tage bis Mariazell 3,3kg an Verpflegung eingepackt, aber der Empfehlung war schwer zu widerstehen 🙂 Danke für die Verpflegung und die gemütliche Zeit ans Team vom Schiestlhaus, ich möchte euch hiermit ebenfalls gleich weiterempfehlen.

Den Hochschwabgipfel hatte ich alleine für mich, erst kurz vor der Hütte kam mir im Abstieg jemand entgegen.
Kilometerlang geht es durch färbende Lärchenwälder… fast schon etwas kitschig schön, wobei was kann nach dem gerade erlebten Sonnenaufgang noch kitschig sein?
Im letzten Abstieg vom Hochschwab, ganz hinten taucht bereits die Hohe Veitsch mit knapp 2000m auf, die am 05er überschritten wird. Ich habe den Gipfel allerdings ausgelassen und unterhalb am 06er Mariazellerweg etwa wie eingezeichnet umgangen.
Noch etwas mehr als ein Tagesmarsch bis nach Mariazell, das liegt irgendwo hinter dem Bergrücken noch etwa 30km entfernt. Ganz hinten sieht man schon den Ötscher, der auch am weiteren Weg des NSWW liegt.

Nach der kalten Nacht in dem Biwakhütterl bei Minusgraden hatte ich mir danach beim 1500Hm Abstieg wohl irgendwie etwas meine Achillessehen beleidigt. Wie auch immer, mein Ziel nach Melk noch weitere 100km zu gehen schien mir nicht mehr die beste Idee zu sein und ich legte einen lockeren Tag mit nur 17km ein und ließ die Hohe Veitsch aus. Allerdings war es auch nach diesem Tag Pause nicht besser und ich beschloss die Tour nach der nächsten Etappe in Mariazell zu beenden. Irgendwie hatten die letzten knapp 20km dann etwas von einer Wallfahrt angenommen, die letzten Kilometer waren trotz der einfachen Wege wegen der Schmerzen schwierig zu gehen und mein Ziel war es nur mehr in Mariazell anzukommen.

Irgendwie tut mir immer alles weh, wenn ich in Mariazell bin, das war auch schon so beim 1000km Brevet und auch beim 600km Brevet, allerdings bin ich damals bereits 500km am Rennrad durchgefahren, da verstehe ich es ja, aber nach 6 Tagen wandern? 😉

Mein Ziel Maria Ziel, ähh Mariazell erreicht!
Kann ich den Weg weiterempfehlen?

Teilweise, von Leoben weg ist die Etappe sehr forststraßenlastig, ebenso Richtung Mariazell, wobei es doch erstaunlich lange immer wieder auch auf schönen Wegerln entlang geht. Gerade im Herbst stören mit dem schönen Wald die Forststraßen allerdings gar nicht so sehr. Der Reichenstein hat eher den Charakter einer Tagestour, das Highlight meines Weges war eindeutig der Hochschwab, der auch gerade auf der langen Überschreitung mehr als 2 Tage Wandervergnügen praktisch nur auf Wanderwegen bietet (von Präbichl fast bis Seewiesen). Ich werde den 05er jedenfalls noch weiter erwandern!

Gegangene Wegstrecke: 129km
Höhenmeter bergauf: 6690hm
Zeit in Bewegung: Ca. 45 Stunden

Gegangene Etappen des NSWW05:


Etappe 16 Trofaiach – Leoben (Etappe geht nach Leoben noch weiter bis zum Mugelschutzhaus)
Etappe 15 Reichensteinhütte – Trofaiach
Etappe 14 Sonnschienhütte – Eisenerzer Reichenstein
Etappe 13 Voisthaler Hütte – Sonnschienhütte
Etappe 12 Voisthaler Hütte bis Rotsohlalm (originale Etappe bis Graf-Meran-Haus)
weiter auf  dem Steirischen Mariazellerweg bis Mariazell, dieser geht wieder zusammen mit dem NSWW als Etappe 11 Mariazell – Graf-Meran-Haus

weitere Infos und GPS Tracks gibt’s beim AV: https://www.alpenverein.at/weitwanderer/weitwanderwege/nord-sued-weitwanderweg.php

Der gegangene Weg ist übrigens auch Teil des Europäischen Fernwanderweges E6 (Finnland – Türkei)

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