Ein 1000km Superbrevet mit Hindernissen – Tag 1

Mehrmals schon am aufgeben, Schmerzen an allen möglichen Stellen, eine Schinderei sondergleichen… und doch im Ziel in unter 60 Stunden brutto… ein Bericht von so manchen Erlebnissen auf 1000km…

Endlich war es nach 2 Jahren wieder soweit, Ferdinand Jung der Organisator der Brevets in Österreich (randonneurs-austria.at) lud wieder alle Randonneure zur 6. Ausgabe des 1000km Superbrevets nach Haid ein.

Im Vergleich zu meinem ersten 1000er Brevet lief diesmal sehr viel leider nicht wie geplant. Allerdings ging es auch vielen anderen Startern interessanterweise irgendwie nicht viel besser. Trotz einigermaßen guter Wettervorhersage starteten 7 der 39 angemeldeten Teilnehmer gar nicht, weitere 8 gaben bis in die Oststeiermark auf. Bis zur Soboth waren wir mit Mario noch zu dritt als erste Gruppe an der Kontrolle bei km 504 um 2:30 Uhr in der Früh, nach dem Start um 5 Uhr morgens immerhin schon über 21h unterwegs. Danke Mario fürs begleiten, motivieren und Windschatten geben bis dahin. Sehr schade, dass wir am nächsten Morgen zu zweit ohne dich weiter mussten!

Diesmal freute ich mich sehr, von Max auf dieser Ausfahrt begleitet zu werden, die wie schon beim ersten Mal in ein kleines Abenteuer ausartete. Die Spezialität von Max sind eigentlich viel längere unsupported und offroad Ultraausdauerevents.
Beim einem Brevet mit so einer großen Distanz muss man auf alles gefasst sein, wirklich alles ist möglich. Nur, dass wir beide schon nach guten 100km Probleme bekommen, das war wirklich unerwartet, das kannten wir so noch nicht…

Angefangen hat das Malheur eigentlich schon mit einem verspäteten Start, wieso auch immer kamen wir erst 10min nach dem Start weg und drückten 30km ganz gut aufs Tempo um die anderen wieder einzuholen… sinnlos vergeudete Energie gleich beim Start. Noch dazu tat ich in der Nacht davor kaum ein Auge zu, viel mehr als 2 Stunden Schlaf waren es bestimmt nicht… beste Voraussetzungen, um einen Brevet richtig hart werden zu lassen 😉

Keine 10km nach dem Start verlor ich auch noch nach einer Serie Schlaglöcher meine Trinkflasche, die auch gleich kaputt ging…. ein perfekter Start sieht wirklich anders aus. Danke Max für’s leihen deiner 2. Trinkflasche!

Mit einem 38er Schnitt von Scharfling bis zum Postalmanstieg waren wir flott unterwegs…

Bis über die Postalm lief es ganz gut, auch wenn wir diesmal im Vergleich zu 2018 so gut wie alle Anstiege davor und auch die Postalm etwas langsamer hinauffuhren. 950 hm/h Steigleistung über die Postalm war allerdings flott genug. Doch danach waren wir beide komischerweise etwas angeschlagen. Bei mir fing ein unerwarteter Knieschmerz an, den ich so bisher noch nicht kannte, bei Max meldete sich die Achillessehne. Diese Schmerzen sollten uns bis ins Ziel begleiten… hätte ich das vor dem Glockner schon gewusst, wie schlimm die Sache wird, hätte ich an dieser Stelle den Brevet sicherlich bereits beendet…

Max auf den letzten Höhenmetern der Postalm, nur mehr etwa 10000 Höhenmeter ins Ziel 😉
Noch lief es schmerzfrei dahin, 20min lang mit über 47km/h Schnitt unterwegs hinunter ins Salzachtal…

Am Radweg vor Bruck mit den vielen Antritten wurde der Schmerz im Knie jedoch immer schlimmer, ich hatte noch keine Ahnung, wie ich so über den Glockner kommen sollte. Doch locker nach Fusch rollen und den Sattel etwas tiefer stellen half zumindest vorerst.

Ab der Postalm fuhren wir großteils nur mehr zu zweit, mit unseren Problemen kämpfend ließen wir die Gruppe ziehen. Bis zum Glockneranstieg hatten wir immerhin noch über 30km/h Schnitt auf den ersten 230km am Tacho stehen und rollten mit gemütlichem Tempo dem Hochtor entgegen. Das Ziel war eigentlich vorerst nur, halbwegs schmerzfrei an der Labestelle am Hochtor anzukommen, was zumindest bei mir einigermaßen gut funktionierte, wenn auch die Leistung großteils nur aus einem Bein kam…

In der Abfahrt holten wir wieder die schnelle Vierergruppe ein, die gerade mit einem Patschen aufgehalten wurde. Mit dieser rollten wir mit super Tempo bis zur Labestation nach Spittal, die gut 100km vom Hochtor bis Spittal immerhin mit über 40km/h Schnitt. War ich an der Reihe drückte ich immer mit gut 200W… die Knieprobleme hatten sich verabschiedet, ich fühlte mich nach 300km auch wieder so, als wenn ich gerade aufs Rad gestiegen wäre.

Die Pause und die Verpflegung an der Labestation Spittal riss mich dann noch einmal aus den vorhergehenden Tiefs heraus. Körperlich wieder so fit wie beim Start, schmerzfrei und gut gestärkt ging es nach bereits 14:15h Gesamtzeit und 354km langsam in die Nacht. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für die Verpflegung in Spittal und auch für die anderen Labestationen davor!

Wir planten noch ein ganzes Stück weiter zu fahren, noch 2 Kontrollstellen weiter zum Hüttenwirt in Lavamünd bei km 504. Eigentlich schon irgendwie etwas verrückt, wenn man nach einer 350km Tour mit 5000hm am Abend noch schnell eine 140km Tour mit 5:30h Länge noch hinten anhängt. Und die letzten 50km wollten irgendwie nicht enden, so leicht wie es vorher lief, so schwer wurde es plötzlich später, der Anstieg bei Sankt Margareten im Rosental wollte irgendwie nicht aufhören, nach gefühlt 1000Hm, wieder auftauchenden Knieschmerzen und beginnendem Schmerzen im Genick war ich auf den letzten Kilometern des Tages wirklich froh, um ca. 3 Uhr morgens in den verdienten Schlaf zu fallen. Die Fahrt dorthin war allerdings für mich trotz Schmerzen sehr schön, wir fuhren in der Nacht mit wundervollem klarem Sternenhimmel, so gut wie keine Autos begegneten uns im Rosental und dort ist es zumindest für mich mit gewohnter Lichtverschmutzung in Salzburg angenehm finster in der Nacht…

Weiter geht’s im 2. Teil, über die Soboth in die Steiermark!

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