4 zauberhafte Tage an der Südgrenze Österreichs am Südalpenweg

Unterwegs auf dem Teilabschnitt des Südalpenpanoramawegs 03A von Faak am See zur Bertahütte und Mittagskogel, hinüber nach Slowenien, wieder nach Kärnten zur Klagenfurter Hütte und hinab ins Bärental

  • Startort: Faakersee in Kärnten
  • Ziel: Beim Start noch unbekannt… irgendein Bahnhof sollte es sein
  • Eine Tour mit dem Ziel: Wie´s kommt, so kommt´s
  • Start mit sehr unsicheren Wetteraussichten in einer extremen Hitzewelle
  • Eine Mischung aus Hüttenübernachtung und draußen schlafen, keine Übernachtungsmöglichkeiten vorab gesucht, Schlafsack und Verpflegung dabei

Recht kurzfristig entschieden wir uns, zwei Tage vor Tourstart wegen täglicher starker Gewittergefahr den geplanten Tauernhöhenweg nicht zu gehen, daher suchte ich alleine im Wetterbericht einen Ort, an dem das Wetter besser sein sollte und der gleichzeitig per Bahn gut zu erreichen war. Dies war in Südkärnten und in der Südsteiermark der Fall und so suchte ich dort nach Tourmöglichkeiten.

Ich fand den Südalpenpanoramaweg, eine Variante eines Teilstücks des 600km langen Weitwanderweges 03 von Bad Radkersburg in der Südsteiermark entlang der slowenischen und italienischen Grenze bis zu den Sextener Dolomiten. Ein 100km langes Teilstück dieses Weges von Silian zum Pötschenpass ging ich vor 3 Jahren und war damals von der Schönheit des Weges begeistert. Wie gewohnt wollte wieder einmal keiner mitgehen, sobald das Wetter etwas instabiler wurde… allerdings muss ich sagen, dass es schlussendlich wesentlich schöner war als angesagt!

Nachdem Faak am See mit dem Zug sehr gut erreichbar ist und mit einer Bademöglichkeit einen idealen Startpunkt bildet, war die Tour von dort recht schnell geplant. Die komplette Tourenplanung und auch das Packen des Rucksacks machte ich erst am Vorabend und ging somit erst recht spät schlafen, gut dass trotzdem ein paar wenige Stunden bis 5 Uhr morgens zum Schlafen blieben

Mit dem ersten Zug um 6:00 Uhr fuhr ich nach Faak und ging dort zuerst ins Strandbad, nachdem es schon 10 Uhr war und es schon recht heiß geworden war.

Nach kurzer Verhandlung mit dem Kassier des Strandbads, der zuerst 4€ Eintritt für eine halbe Stunde haben wollte “Bei uns gibt´s hoit nur Tageskarten…“, ließ er mich dann sogar gratis rein und lachte “…oba wennst is aner hoib´n Stund ned wieder draußn bist, zah i di an de Ohrwaschln aussi 🙂” Ja die Kärtner sind eben gastfreundliche Leute und es gibt immer eine Gaudi!

Nach der Erfrischung im 25° warmen See ging ich den einen Kilometer wieder zum Bahnhof zurück und der Straße entlang Richtung Mittagskogel.

Mein Tagesziel: Der Mittagskogel (2145m), auch nach 2 Stunden Wanderung noch weit entfernt….

Nach ein paar Kilometern Asphalt startet dann schon der Via Alpina Weitwanderweg, den ich als Zubringerweg Richtung Mittagskogel nutzte. Wenn man vom Faaker See zum noch weit entfernten Mittagskogel schaut, kann man kaum glauben, dass der Berg vom See aus an einem Tag zu besteigen ist!

Ich ging nicht den kürzesten Weg hinauf, sondern einen Umweg über die nette Ruine Finkenstein aus dem 15 Jhd., die öfters zu Abendveranstaltungen genutzt wird.

Gleich in der Nähe befindet sich das Ruinenstüberl, in dem mir der nette Wirt eine Stärkung für den Weg zubereitete. Er gab mir auch den Tipp, nicht wie geplant über die Annahütte aufzusteigen, sondern mit etwas Umweg über die Bertahütte den Mittagskogel zu besteigen, weil sich schon am frühen Nachmittag langsam Gewitterwolken aufzutürmen begannen und es dort keine Hütte und kein Wasser mehr vor dem Grat gibt.

Also ging ich ohne viel Höhenmeter eine kleine asphaltierten Straße entlang nach Osten und dann einen schönen aber sehr verwildetern Steig steil bergauf Richtung Bertahütte auf dem ich jede Menge perfekt reifer Himbeeren direkt am Weg fand.

Etwa 300 Hm unterhalb der Bertahütte begann es dann schon zu donnern und ich beeilte mich, zumindest noch trocken zur Hütte zu kommen. Bei der Hütte angekommen kochte mir der Hüttenwirt ein sehr gutes Abendessen, Kärtner Nudalan mit Gorganzola und Kräutern – sehr fein! Übrigens gab´s bei allen Hütten am Weg ausgezeichnete Speisen, von denen man auch satt wird, was leider nicht immer so selbstverständlich ist.
Nach dem Essen und einer Pause hatten sich dann auch alle Wolken wieder verzogen, es hatte nicht einen Tropfen geregnet und es schien wieder die Sonne. Die Gegend hat halt doch schon etwas südlicheres.

Es blieb mir somit auch noch genug Zeit um einen Schlafplatz zu suchen. Bei der Hütte wollte ich in einer schönen Nacht nicht unbedingt bleiben, denn umsonst wollte ich die komplette Ausrüstung auch nicht mitgeschleppt haben. Der Plan war den nächsten Sonnenaufgang am Mittagskogel zu erleben, deshalb wollte ich möglichst weit oben schlafen.

Am Abend bestaunte ich dann die Gämsen mit ihren Kletterkünsten in fast senkrechten Felswänden. In der Nacht wurde es sehr windig und irgendwie befand sich mein Schlafplatz wohl neben dem Bau eines Wiesels, das die ganze Nacht um mich herum jagte und raschelte. Daher machte ich kaum ein Auge zu und sah lange einem Wärmegewitter über Jesenice weit unten im Tal und später dem leider nicht ganz klaren Sternenhimmel beim Funkeln zu.

Irgendwann in der Nacht schlief ich dann doch ein und wurde von Stimmen geweckt: ” Wos sogt denn dei Uhr, wia spood is denn scho?” “4 Uhr 25, des geht si sicha leicht aus…..” sprachs vom nahe gelegenen Wanderweg. Da dachte ich mir, stehst halt auch gleich auf, ist eh schon spät genug. Bis ich alles zusammengepackt und abgebaut hatte war es dann 5 Uhr und ich machte mich auf den Weg zum 2145m hohen Gipfel. Der Horizont war leider nicht ganz rein, aber für ein paar tolle Bilder und ein super Erlebnis reichte es allemal!

Mein Startpunkt am Tag zuvor, der Faakersee

Am Gipfel traf ich dann die junge Kärtner Wandergruppe, die mich geweckt hatte. Diese waren gerade beim Frühstücken mit Brettljause und Bier und hatten viel Spaß dabei. Ein Sonnenaufgang am Gipfel ist immer ganz was besonderes und immer wunderschön, leider mache ich das viel zu selten! Der Mittagskogel ist ja ein recht bekannter Berg in Kärnten, weil er mit seiner markanten Form schon von Villach aus zu sehen ist und er einen schönen Rundumblick bietet.

Runter ging ich dann wieder den gleichen Weg zur Bertahütte um dort zu frühstücken, es kamen mir sicher 10 Bergsteiger entgegen, allerdings war es mir im steilen Gelände sogar bergab schon zu heiß.

Es gibt zwar einen Weg am Grat Richtung Osten, allerdings wollte ich den mit 9kg Rucksack und bei Gewitterneigung nicht gehen. Allerdings blieb es den ganzen Vormittag schön und heiß und der Hüttenwirt und auch ein Wanderer meinte, der Weg wäre kein Problem gewesen. So ging ich aber einen weiten Umweg und stieg ins Tal ab, in dem anscheinend immer wieder einmal Bären gesichtet werden können.

Durch das Tal führt zuerst leider nur eine Forststraße, weiter unten dann entlang des Bachs ein sehr schöner Wanderweg. Weiter unten kam sogar ein kleiner ca. 4m hoher Wasserfall, den ich als Freiluftdusche nutzte.

Das Tal erinnerte mich an das Bluntautal, nur war dieses von oben weg schon breiter und menschenleer, die ersten Menschen nach der Hütte traf ich erst wieder kurz vorm Karawankentunnelportal 3 1/2 Stunden später. Dort gibt es ein kleines aufgestautes Becken, wo man schwimmen kann, was bei den Temperaturen recht angenehm war.

… ich bin hinauf auf den Mittagskogel, wieder herunter und unterwegs zur Kahlkogelhütte, also erst Halbzeit nach über 5 Stunden Gehzeit

Am frühen Nachmittag kam ich am Karawankentunnel an und es ging ca. 1km der Straße entlang, bevor der Wanderweg 03A ins nächste Tal rechts bergauf nach Süden abbog. Von dem Punkt an sah ich bis zum Abend bei der slowenischen Koca na Golici (koca =Hütte) keinen Menschen mehr.
Der Weg führte wieder lange einer Forststraße entlang, danach sehr steil einen Wanderweg aufwärts und es begann schon wieder zu donnern, kurz vor den geschlossenen Zollhütten begann es dann zu schütten und ich entschied dort zu bleiben und das Gewitter abzuwarten.

Unter dem Dachvorsprung der Hütte döste ich dann etwas und jausnete bis das Gewitter vorbei war. Es krachte ordentlich zwischen den Felswänden denn ein paar Blitze schlugen ganz in der Nähe ein und ich war froh, nicht weitergegangen zu sein. Nachdem alles vorbei gezogen war machte ich mich wieder auf den Weg, um die letzten paar hundert Höhenmeter zur slowenischen Grenze zu gehen. Diese hatten es jedoch in sich, durch das Gewitter dampfte es richtig, denn die Sonne heizte gleich wieder ordentlich in das Tal und der sehr gatschige und steile Wanderweg machten die Sache nicht gerade einfach.

Oben angekommen waren bis zur slowenischen Koca na Golici auf österreichischer Seite noch 2h angegeben, auf slowenischer Seite 20m weiter aber nur mehr 1:30h

Die Slowenen gehen wahrscheinlich einfach flotter… Ich sehe beim Wandern nie auf die Uhr, weil das GPS bei klarem Weg abgeschalten ist und ich keine Uhr mitnehme, aber der Weg zog sich noch ordentlich in die Länge. Vor allem das Teilstück, bei dem man die Hütte auf gleicher Höhe schon sehen kann und immer noch eine gute Stunde entfernt ist.

An der Grenze zu Slowenien und ja, ich befinde mich genau am Weg, auch wenn es nicht so aussieht
… das ist Jesenice unten im Tal

Immerhin war ich bis auf die Pause am Mittagskogel, beim Frühstücken auf der Bertahütte, den zwei kurzen Badepausen und der Pause bei den Zollhütten seit 5 Uhr auf den Beinen und kam erst gegen 19 Uhr bei der Hütte an. Also werden es gute 12h Gehzeit bei bis zu 35°C gewesen sein.

Mein Ziel des Tages ist nicht mehr weit, die Hütte befindet sich am ganz rechten Bildrand hinter dem Baum!
Quer durch die Wiese? Ernsthaft, wie viele Wanderer sind hier wohl unterwegs?

Bei der slowenischen Hütte hatte ich mir das Bier und die wirklich sehr gute und reichliche Bohnensuppe dann schwer verdient. Nachdem die Wolken schon wieder so herumzogen und das Gelände dort sehr steil ist wollte ich auch nicht unbedingt draußen schlafen.

Der Blick zurück

Wir waren zu zweit bei der Hütte und ich hatte ein ganzes Lager mit 20 Betten und sehr schöner Aussicht vom Bett aus auf den Triglav ganz alleine! Genuss pur! Ich schlief sehr gut und fest und machte mich nach dem Frühstück gleich auf den Weg weiter Richtung Presernova.

Der Triglav in der ersten Morgensonne
Wie immer geht´s bei Sonnenaufgang los! Dorthin geht´s heute, der Weg verschwindet auf gleicher Höhe am rechten Bildrand

Dieses relativ kurze Teilstück (16km, 1100Hm, 6h) war sehr schön, am Anfang kommen noch sehr viele Almwiesen mit sehr vielen Walderdbeeren, je weiter man dem Weg aber nach Osten folgt, desto schroffer und steiniger wird dieser.

Blick zurück zur Koca na Golici (Bildmitte), meinem heutigen Startpunkt, dahinter der Mittagskogel
Vor der slowenischen Presernova geht man fast am Grat und könnte auch noch einen Klettersteig zum Hochstuhl gehen, den ich aber ausgelassen habe.

Bei der Presanova Hütte gönnte ich mir dann um gesamt 17€ eine Gerstensuppe (Rici), ein Bier und als Nachspeise einen warmen und sehr guten Topfenstrudel.

Gekocht wurde wieder sehr gut und so teuer war es wohl, weil alles auf die Hütte geflogen werden musste. Schon während dem Essen glaubte ich Donnergrollen von draußen zu hören und täuschte mich nicht. Zur Klagenfurter Hütte waren es wieder die bekannten 1:30h zu gehen, diesmal aber nur bergab, allerdings wirklich steil über ein langes Schotterfeld, bei dem man ständig ins rutschen kommt, was mit Blasen an beiden Füßen natürlich sehr unangenehm ist.

Jetzt aber schnell zur Klagenfurter Hütte, es blitzte schon hinterm Berg!

Das Donnergrollen hörte erst kurz vor der Hütte auf und es wurde wieder schöner, also hätte ich mich nicht so beeilen müssen. Das Teilstück zwischen den beiden Hütten wäre aber ein unglaublich schlechter Zeitpunkt gewesen um von einem Gewitter erwischt zu werden. Die Klagenfurter Hütte wurde gerade umgebaut und hatte geschlossen, ich erwartete eigentlich, dass niemand dort sein würde. Bei der Hütte angekommen, war ich aber überrascht, weil neben der Hütte eine Ausschank aufgebaut war. Und so bestellte ich mir erst einmal ein Hirter und besprach mit Elias von der Hütte den Weg, der noch vor mir lag.

Irgendwie kamen wir dann zum Entschluss, das der grob geplante Weg über den Hochobir zum Klopeinersee einfach zu weit für die verbleibenden zwei Tage war. Nachdem auch meine Füße mit den Blasen schon weh taten und ich an diesem Tag schon wieder 9 Stunden mit Pausen unterwegs war, brauchte ich nicht lange zu überlegen, als Elias fragte: “Mogst ned mit uns vor da Hütte schlafen?”. Siegi der Hüttenwirt willigte auch ein: “Wennst ned schnorchst konnst scho dobleibn, schlof ma olle beim Feuer!”
Also genehmigte ich mir eine anständige Brettljause mit einem Hirter und entschied bei der Hütte zu übernachten.

Eine Runde nageln ist immer a Gaudi!

Am Abend machten wir uns noch Spiegeleier mit Speck und Brot am Lagerfeuer, was sehr gut schmeckte! Nach einem recht gemütlichen Abend schliefen wir am Lagerfeuer auf den Matratzen ein. An einem offenen Feuer hatte ich so noch nie übernachtet, Siegi hatte so viel Holz aufgelegt, dass es sogar noch am Morgen etwas brannte.

Mein Nachtlager der letzten Nacht.
Ein herzliches Dankeschön an Siegi und Elias für die Gastfreundschaft und die schöne Zeit bei euch!!!
Guten Morgen Lisi!

Am Morgen wurde ich als erster wach und die ersten Sonnenstrahlen leuchteten in die Klagenfurter Spitze hinein, was mich gleich zum Aufstehen motivierte. Nach ein paar Bildern wurde mir aber zu kalt und müde war ich auch noch, also legte ich mich wieder eine Stunde schlafen.

Die Hütte liegt in einer sehr schönen Gegend!

Danach stand ich dann endgültig auf, um noch mehr Bilder in der Umgebung der Hütte zu machen, die in einem wunderschönem Tal liegt. Nach einem kleinem Frühstück war es dann sicher schon 10 Uhr als ich dann talauswärts los marschierte. Nachdem ich die Tour ja abgebrochen hatte und es erst Samstag war hätte ich eigentlich noch genügend Zeit gehabt noch irgendwo zu übernachten. Das Wetter wurde allerdings zunehmend schlechter und so entschied ich mich möglichst rasch wieder heim zu kommen. Beim Hinauswandern aus dem Tal brauchte ich mir also auch keinen Stress zu machen und genoss noch den schönen Abschluss der Tour.

Am ersten Parkplatz angekommen blieb gleich das erste Auto stehen und eine Wienerin fragte, ob sie mich denn mitnehmen sollte. Ich freute mich sehr darüber und sah erst bei der Fahrt, wie weit sich das Tal noch bis zum ersten Dorf im Rosental zog. Ich durfte sogar bis zum Bahnhof in Klagenfurt mitfahren und hatte eine Stunde später schon einen Zug nach Salzburg. Die Zugfahrt verging wie im Flug, nachdem sich nacheinander zwei fesche Mädels zu mir setzten, denen ich meine Tour schildern “musste”. Eine der beiden war sogar auch am gleichen Wanderweg, aber weiter im Westen in den Sextener Dolomiten unterwegs.

Somit ging wieder einmal eine der schönsten Touren zu Ende, die ich jemals gemacht habe. Wobei ich die Touren nicht nach Schönheit oder Erlebniswert sortieren könnte, denn jede der bisherigen Mehrtagestouren war auf ihre Art einzigartig und wundervoll. Jetzt kenne ich auch wieder ein Stück Österreich mehr, das mir bisher völlig unbekannt war. In Slowenien war ich auch noch nie zu Fuß unterwegs und konnte das Land als sehr gastfreundlich, günstig, mit guter Küche und gutem Bier kennenlernen.

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